Identitätsdiebstahl: So können sich Unternehmen davor schützen

Beim Begriff Identitätsdiebstahl schaudert es Unternehmen. Denn dieser kann sehr unangenehme Folgen haben. Hier deshalb Tipps, die Unternehmen davor schützen.

Identitätsdiebstahl: So können sich Unternehmen schützen
Hackerangriffe können großen Schaden anrichten – © Andrey Popov / stock.adobe.com

Wir leben in einer Welt, in der alles Schritt für Schritt digital wird. Das erleichtert uns zwar das Leben, es kann aber auch für Probleme sorgen. Vor allem dann, wenn sich Unternehmen nicht schützen. Denn die Zunahme an Online-Dienstleistungen und digitalen Interaktionen hat zwar viele Vorteile gebracht, jedoch auch das Risiko von Cyberkriminalität erhöht. Stichwort: Identitätsdiebstahl. Dabei handelt es sich um eine Form des Betrugs, bei dem Kriminelle sensible Daten eines Unternehmens stehlen und missbrauchen, um finanzielle Vorteile zu erlangen. Und das kann im schlimmsten Fall den Ruin bedeuten. Deshalb erkläre ich nachfolgend, wie Unternehmen ihre sensiblen Daten schützen können, um erhebliche finanzielle Verluste und Imageschäden zu vermeiden.

Was versteht man unter Identitätsdiebstahl?

Weltweit ist laut dem Institut der deutschen Wirtschaft fast jedes zweite Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen. Mit dazu zählt auch der Identitätsdiebstahl. Darunter versteht man den unbefugten Zugriff sowie den Missbrauch von persönlichen oder unternehmensbezogenen Daten. Dabei kann es sich um Namen, Adressen, Sozialversicherungsnummern, Bankdaten, Zugangsdaten bzw. Passwörtern und vieles mehr handeln. Gelangen diese Daten in falsche Hände, können sie Täter nicht nur nutzen, um damit Transaktionen durchzuführen, Kredit aufzunehmen oder Bestellungen zu tätigen. Sie können sich auf diese Weise auch Zugang zu gesicherten Informationen verschaffen. Identitätsdiebstahl stellt somit eine erhebliche Bedrohung für Unternehmen dar.

Welche Folgen kann ein Identitätsdiebstahl haben?

Wer nicht richtig vorsorgt und sein Unternehmen schützt, muss bei einem Fall von Identitätsdiebstahl mit negativen Konsequenzen rechnen, die ein großes Ausmaß annehmen können. Darunter zählen unter anderem:

Umsatzverlust:

Durch den Diebstahl von Namen, Anschrift und Bankdaten können Hacker unbefugt hohe Beträge vom Konto abbuchen. Dementsprechend müssen Unternehmen oft zusätzlich Geld in ihre Sicherheit und in Schulungen investieren. Viele bekommen diese wirtschaftlichen Schäden meist über Monate oder sogar Jahre hinweg zu spüren. Für manche kann es sogar den Ruin bedeuten.

Verlust des Kundenvertrauens:

Nutzen Hacker das Logo und mehr für den Aufbau von Fake-Website und kaufen Kunden dort Produkte, die sie nie erhalten, verlieren sie das Vertrauen zur Marke und kaufen in Zukunft woanders.

Schädigung des Rufes:

Machen Kunden schlechte Erfahrungen mit einem Unternehmen, spricht sich das herum. Sind besonders viele Kunden betroffen, kann das unweigerlich dem Ruf eines Unternehmens schaden, was wiederum nicht nur Kunden, sondern auch Geschäftspartner abschreckt. Kunden- und Geschäftsbeziehungen können so oftmals gar nicht erst aufgebaut oder sogar aufgelöst werden.


Rechtliche Konsequenzen:

Aufgrund von Datenschutzverletzungen kann es auch passieren, dass Unternehmen dafür gerade stehen und eine Strafe zahlen müssen.

Wie kann es zu einem Identitätsdiebstahl im Unternehmen kommen?

Identitätsdiebstahl: So können sich Unternehmen schützen
Spam-Mails können Schadprogramme enthalten – © RerF / stock.adobe.com

Cyberkriminelle entwickeln immer wieder neue Methoden, um an sensible Daten zu gelangen. Während vor allem Senioren oftmals mit Anrufen, E-Mails oder SMS betrogen werden und im Zuge dessen ihre Daten preisgeben, ist dies bei Unternehmen nicht so einfach. Dennoch gibt es genügend Wege, wie Kriminelle an die Daten gelangen können. Einige der häufigsten Methoden sind:

Phishing:

Angreifer senden betrügerische, aber harmlos wirkende E-Mails oder Nachrichten, um die Mitarbeiter so dazu zu bringen, vertrauliche Informationen preiszugeben. Das klappt meist nicht nur in Unternehmen, sondern auch bei Privatpersonen. Besonders gerne wird hier von Betrügern unter anderem eine SMS als PostDE oder DHL-Service versendet (siehe www.dhl.de). Darin wird auf ein Problem bei der Paketlieferung hingewiesen und gebeten, auf einen Link zu klicken. Mit diesem Klick kann es dann jedoch schon zu spät sein.

Malware:

Bei Malware handelt es sich um eine Schadsoftware, die wie eine seriöse Anwendung aussieht, jedoch ganze Systeme infizieren und auf diese Weise sensible Daten stehlen kann. Vor allem bekannt ist in diesem Zuge der sogenannte „Trojaner“. Wer diesen aktiviert, öffnet die Tür für Betrüger.

Bedrohungen durch Mitarbeiter:

Ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter können absichtlich oder unabsichtlich Datenlecks verursachen. Beispielsweise, indem sie nicht darauf achten, dass sie Akten vernichten nach DSGVO, Software nicht regelmäßig aktualisieren oder keine verschlüsselte VPN-Verbindung verwenden, um auf das Firmennetzwerk zuzugreifen.

Allgemeine Datenlecks:

Sicherheitslücken in IT-Systemen können es Hackern ermöglichen, Zugriff auf sensible Daten zu erlangen. Dies kann z.B. geschehen, wenn Unternehmen nicht darauf achten, sichere Passwörter zu verwenden.

Auf welche Daten haben es Kriminelle abgesehen?

Kriminelle haben es auf eine Vielzahl von Daten abgesehen, die sie für verschiedene betrügerische Aktivitäten nutzen können. Dabei sind vor allem die Daten wichtig, die dazu notwendig sind, um die Identität des Unternehmens nachzuweisen. Wenn Sie z.B. bei einer Versicherung anrufen, müssen Sie als Privatperson meist nur Ihren vollen Namen, Ihr Geburtsdatum und vielleicht noch Ihre Adresse angeben. Das genügt zur Identitätsprüfung schon aus. Als Unternehmen müssen aber größtenteils noch mehr Daten her. Deshalb haben es Hacker vor allem auf die folgenden Daten abgesehen:

  • Identifikationsdaten: Name des Unternehmens, Anschrift, Registereintrag (Registergericht und -nummer)
  • Finanzdaten: Kreditkarteninformationen, Bankkontodaten, Steuerinformationen
  • Zugangsdaten: Benutzernamen und Passwörter
  • Geschäftsgeheimnisse: Geschäftspläne, strategische Dokumente, usw.
  • Kundendaten: Namen, Adressen, Bestellhistorien, Bankverbindungen

Was mit den gestohlenen Daten passiert? Hacker können damit Geld vom Konto abbuchen, Bestellungen tätigen, sich mit gefälschten Websites oder Social-Media-Konten für das Unternehmen ausgeben oder die Daten im Darknet verkaufen.

Wie können sich Unternehmen vor einem Identitätsdiebstahl schützen?

Unternehmen sollten die Multi-Faktor-Authentifizierung nutzen – © THAWEERAT / stock.adobe.com

Um sich effektiv vor Identitätsdiebstahl zu schützen, sollten Unternehmen einige Maßnahmen ergreifen. Wichtig sind vor allem die folgenden Punkte:

Antivirensoftware nutzen:

Die wohl wichtigste Maßnahme, um sich vor Cyberangriffen zu schützen, ist, sämtliche PCs und Laptops mit einem Antivirenprogramm zu versehen. Denn dieses schützt nicht nur vor Computerviren, sondern auch vor Phishing. Eine Firewall schützt vor unerwünschten Netzwerkzugriffen und kann Spam vermeiden. Mit Antivirus für Windows 10 oder 11 können Unternehmen obendrein ohne große Mühe Passwörter generieren sowie Kreditkartendaten sicher online verwalten.

sichere Passwörter erstellen:

Leider ist es immer noch so, dass sich viele bei der Erstellung eines Passwortes nicht viel Mühe geben. Klassiker sind immer noch Namen von Familienangehörigen und bestimmte Zahlenkombinationen von besonderen Tagen. Nur ungünstigerweise können Hacker gerade diese Passwörter im Nu knacken und großen Schaden anrichten. Sinnvoller ist es deshalb komplizierte Passwörter auszuwählen, die auf Zahlen, Groß- sowie Kleinbuchstaben und aus Sonderzeichen bestehen. Wer sich damit schwertut, kann auch auf einen Passwortgenerator zurückgreifen und sich automatisch ein Passwort erstellen lassen. Empfehlen kann ich zum Beispiel den Passwortgenerator der Technischen Universität Braunschweig, denn hier erhalten Unternehmen gleich fünf Passwort-Vorschläge. Sie können sich aber auch ein Passwort aus einem Satz generieren lassen, welches sich etwas leichter merken lässt.

verschlüsselte VPN-Verbindung nutzen:

Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten und von dort aus auf das Firmennetzwerk zugreifen müssen, sollten dafür eine verschlüsselte VPN-Verbindung nutzen. Dabei handelt es sich um einen sicheren Kommunikationskanal. Somit wird es Hackern erschwert eine IP-Adresse, Online-Aktivitäten sowie Surfgewohnheiten auszuspionieren. Für die IT-Sicherheit im Homeoffice also unerlässlich.

Software-Aktualisierungen durchführen:

Durch regelmäßige Software-Aktualisierungen laufen Programme und Betriebssysteme nicht nur reibungslos, auf diese Weise werden auch Sicherheitslücken geschlossen. Um kein Update zu verpassen, ist es ratsam in der Systemsteuerung einzustellen, dass Updates automatisch vorgenommen werden sollen. Das sorgt für mehr Computersicherheit.

Multi-Faktor-Authentifizierung nutzen:

Es ist sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen sinnvoll, die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für den Zugang zu sensiblen Systemen und Daten zu nutzen. Bei der Zwei-Faktor-Authentisierung wird die Zugangsberechtigung nämlich über mehrere Optionen überprüft. Es genügt demnach nicht aus, den Benutzernamen und das Passwort einzugeben. Zusätzlich kann auch ein Fingerabdruck oder ein Einmalkennwort verlangt werden. Somit haben es Cyberkriminelle noch bedeutend schwerer, sich Zugang zu einem Unternehmen zu verschaffen.

Mitarbeiter schulen:

Unternehmen sollten zudem regelmäßig Mitarbeiterschulungen durchführen, um das Sicherheitsbewusstsein zu stärken und um auf Gefahren hinzuweisen, die eventuell neu aufgetreten sind.  

Fazit

Identitätsdiebstahl stellt eine große Bedrohung für Unternehmen dar und kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Es ist deshalb wichtig, dass Unternehmen einige Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und ihre Mitarbeiter ausführlich über die Gefahren aufklären. Nur so können sie das Risiko eines Identitätsdiebstahls reduzieren und das Unternehmen vor großen finanzielle Verlusten schützen.

Über Ringo Dühmke 634 Artikel
Gründer von Arbeitstipps.de und einigen anderen Websites. Gelernter Kaufmann mit großer Leidenschaft für (das Schreiben über) Unternehmen und Unternehmer aller Art, für Onlinemarketing, Digitalisierung und Automatisierung.