Einkaufsfinanzierung für Wareneinkäufe

Wie durch sogenanntes „Finetrading“ als Einkaufsfinanzierung die Liquidität des eigenen Unternehmens gesichert werden kann.

Einkaufsfinanzierung für Wareneinkäufe
Für Wareneinkäufe gehen die meisten Unternehmen ein hohes finanzielles Risiko ein. Mit cleverer Einkaufsfinanzierung lässt sich das umgehen © industrieblick / stock.adobe.com

Unternehmen und Finanzdienstleister bezeichnen die Einkaufsfinanzierung für Wareneinkäufe oder zur Aufstockung des Lagerbestands auch als Finetrading. Es handelt sich um Finanzierungsinstrumente, mit denen Unternehmen ihre Einkäufe vorfinanzieren. Die Einkäufe bestehen aus Werkstoffen, Hilfsstoffen. Betriebsmitteln, Rohstoffen, Dienstleistungen sowie halb fertigen und fertigen Waren zum Weiterverkauf. Der Käufer benötigt die bestellten Einkäufe, um seine Produkte herzustellen und zu verkaufen.

Um während des Einkaufs eine ausreichende Liquidität zu garantieren, muss die Einkaufsfinanzierung erst nach einer verlängerten Zahlungsfrist oder nach dem Verkauf der Endprodukte zurückgezahlt werden. Dazu handelt ein Finetrader als Zwischenhändler für den Käufer. Für die Vorfinanzierung der Rechnungen erhält der Finetrader eine Gebühr. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt die Einkaufsfinanzierung eine Alternative zu einem Bankkredit dar.

Was ist die Einkaufsfinanzierung?

Bei der Einkaufsfinanzierung handelt es sich um eine Unternehmensfinanzierung, die nicht von einer Bank oder Sparkasse angeboten wird. Stattdessen übernehmen Finanzdienstleister die Finanzierung des Wareneinkaufs. Die Abwicklung der Finanzierung erfolgt in der Regel online. Um den passenden Finetrader zu finden, können sich Unternehmen auf speziellen Plattformen anmelden, die den Kontakt zu dem passenden Finanzdienstleister herstellen. Ein erster Blick auf die Plattformen zeigt, dass mehr als 300 Finetrader zur Verfügung stehen, um den Einkauf für den Käufer vorzufinanzieren.

Der Finetrader übernimmt die Rolle eines Zwischenhändlers und wird daher auch als Intermediär bezeichnet. Der Finanzdienstleister bestellt Waren oder Dienstleistungen im Auftrag des Einkäufers. Die Lieferantenrechnung wird sofort mit Skonto bezahlt. Den Skontoabzug gibt der Finetrader an den Käufer weiter, indem er den Abzug bei der Berechnung der Gebühren berücksichtigt. Außerdem schließt der Finetrader eine Warenkreditversicherung ab. Der Käufer erhält die Bestellung zum vereinbarten Termin und kann die Produkte weiterverarbeiten. Die Bezahlung der Rechnung an den Finetrader erfolgt erst nach maximal 120 Tagen. In der Zeit hat der Käufer die Möglichkeit, die Produkte zu verkaufen und die Rechnung aus dem Verkaufserlös zu bezahlen.

Wie funktioniert die Einkaufsfinanzierung für Wareneinkäufe?

In diesen Schritten läuft eine Einkaufsfinanzierung in der Praxis ab:

      Käufer und Finetrader schließen einen Vertrag über die Einkaufsfinanzierung ab.
      Der Käufer oder der Finetrader bestellt die benötigten Rohstoffe oder Erzeugnisse bei dem gewohnten Lieferanten zu den vereinbarten Konditionen.
      Die bestellte Ware wird direkt an den Käufer ausgeliefert.
      Der Lieferant stellt die Rechnung für die Bestellung an den Finetrader aus.
      Der Finetrader bezahlt die Rechnung innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels unter Abzug von Skonto.
      Gleichzeitig stellt der Finetrader dem Käufer eine Rechnung mit einem Zahlungsziel von bis zu 120 Tagen aus. Entweder in der Rechnung oder separat berechnet der Finetrader die Gebühren für die Vorfinanzierung der Rechnung.
      Der Käufer überweist den Rechnungsbetrag fristgemäß nach maximal 120 Tagen an den Finetrader.

Voraussetzungen für eine Einkaufsfinanzierung

Damit ein Unternehmen seine Einkäufe über einen Finetrader vorfinanzieren kann, muss es über ausreichende Bonität verfügen. Der Finetrader prüft das Rating des Käufers. Von dem Ergebnis hängen die Entscheidung für oder gegen das Finanzierungsangebot und die Höhe der Konditionen ab. Im Gegensatz zu einem Bankkredit muss der Käufer jedoch nicht eine Vielzahl an Geschäftsunterlagen vorlegen und keine Sicherheiten für die Finanzierung stellen.

Viele Finetrader haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert. Durch die Vielzahl der Anbieter haben auch KMU oder Start-ups die Möglichkeit, eine Einkaufsfinanzierung zu erhalten. Das schont die Liquidität und der Kontokorrentkredit kann für andere Ausgaben genutzt werden.

Welche Vorteile und Nachteile müssen Unternehmen beachten?

Diese Vorteile bietet die Einkaufsfinanzierung den Käufern:

  • Günstige Vorfinanzierung von saisonalen Einkaufsspitzen
  • Annahme von Großaufträgen mit hohem Materialeinsatz möglich
  • Unternehmenswachstum ohne Belastung der Liquidität
  • Überschaubare Kosten
  • Schnelle Abwicklung
  • Keine Sicherheiten erforderlich

Auf diese Nachteile müssen interessierte Käufer achten:

  • Finetrading eignet sich nur für Einkäufe, nicht zur Deckung laufender Kosten wie Miete oder Löhne.
  • Bei verspäteter Zahlung an den Finetrader können hohe Verzugszinsen entstehen.
  • Finetrader bieten die Einkaufsfinanzierung nicht für alle Verkäufer und Branchen an. Zu den Ausschlusskriterien gehören Verkäufe an Privatpersonen oder der Handel mit verderblichen Waren.

Unterschied zwischen Finetrading und Reverse Factoring

Häufig wird eine Einkaufsfinanzierung mit Reverse Factoring gleichgesetzt. Beide alternativen Unternehmensfinanzierungen haben einige Parallelen, weisen aber auch diese Unterschiede auf:

  • Beim Finetrading finanziert ein Unternehmen seine Einkäufe als Teil des Umlaufvermögens vor, während beim Reverse Factoring eine offene Forderung verkauft wird.
  • Beim Finetrading schließen nur Käufer und Finetrader einen Vertrag ab. Beim Reverse Factoring sind sowohl der Lieferant als auch der Factor und der Käufer die Vertragsparteien.
  • Das Zahlungsziel beim Finetrading beträgt bis zu 120 Tage für den Käufer, während die Rechnung beim Reverse Factoring spätestens nach 90 Tagen durch den Kunden bezahlt werden muss.
  • Finetrading hat keine bilanzverkürzende Wirkung für den Käufer, während der Forderungsverkauf beim Reverse Factoring für eine Bilanzverkürzung und eine bessere Eigenkapitalquote sorgt.