Überqualifiziert bewerben: Wie Sie den Job trotzdem bekommen

Diplom, Zertifikate – Ihre Bewerbungsmappe ist voll mit Qualifikationen, den Job bekommt trotzdem ein anderer. Jetzt umdenken und keine Absage mehr kassieren.

Eine Frau und ein Mann im Hemd sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Die Frau hört dem Mann aufmerksam zu, während der Mann leicht gestikuliert, um seinen Worten wahrscheinlich Ausdruck zu verleihen.
Sind Sie überqualifiziert und haben deswegen keine Chance auf einen Job? | © Maria Vitkovska / stock.adobe.com

Es ist schon eine Krux: Da wird uns von Kindesbeinen an erklärt, wie wichtig eine gute schulische und berufliche Ausbildung ist und prompt wird diese später zum Verhängnis. Manch Langzeitarbeitsloser kann es vielleicht nicht glauben, aber auch Menschen mit abgeschlossenem Studium, jahrelanger Berufserfahrung und jeder Menge Qualifikationen bekommen eine Absage auf ihre Bewerbung und das gar nicht mal selten.

Grundlegende Schritte bei der Jobsuche

Keine Angst, natürlich betrifft es nicht jeden Hochschulabsolventen. Das Jobangebot für besonders qualifiziertes Personal ist auch weiterhin ausreichend. Allerdings sollte man bei der Stellensuche überlegter vorgehen. Arbeitsplätze, bei denen eine Top-Ausbildung gefordert wird, werden Sie nicht im Stellenmarkt der Arbeitsagentur finden. Nutzen Sie Printmedien, hier besser Fachzeitschriften statt lokaler Presse und ganz wichtig: schauen Sie ins Internet. Spezielle Jobbörsen wie stellenmarkt.de haben sich auf die Vermittlung von Führungskräften und Akademiker spezialisiert. Dank gut strukturierter Branchensuche ist es hier deutlich einfacher eine leitende Position bzw. Anstellung entsprechend der Qualifikation zu finden.

Eine weitere Möglichkeit, die leider noch zu selten genutzt wird, sind soziale Netzwerke. Auch wenn Facebook für so manchen einen negativen Touch hat, ist das Portal gerade für Marketing-, IT- oder Managerposten eine gute Plattform wieder neuen Fuß zufassen. Noch attraktiver und umfangreicher sind die Angebote, die Sie auf XING finden. Das Netzwerk ist eine ideale Anlaufstelle, um neue berufliche Kontakte zu knüpfen.

Warum lehnen Firmen hochqualifizierte Bewerber ab?

Wer beruflich nicht auf der Stelle treten will, bildet sich weiter. Nur so kann es auf der Karriereleiter bergauf gehen und auch in der Lohntüte besser aussehen. Setzt der Chef einen bestimmten Wissenspegel voraus, kann der also mit diversen Fortbildungsmaßnahmen umgesetzt werden. Was aber tun, wenn die Qualifikationen bereits alle vorhanden sind? Was man im Kopf hat, wird man nicht einfach so vergessen.

Unternehmen sind durchaus an qualifiziertem Personal interessiert, reagieren auf deren Bewerbung allerdings häufig „unsicher“. Besonders dann, wenn sich der Jobsuchende für eine Stelle bewirbt, die weit unter seinen Fähigkeiten liegt, er also überqualifiziert ist.

Mögliche Bedenken zu überqualifiziertem Personal

Punkt 1: Auch gut laufende Firmen werfen ihr Geld nicht zum Fenster raus. Das heißt in erster Linie: qualifiziertes Personal kostet mehr Geld!


Punkt 2: Die Bewerbung wird als Notnagel gesehen. Die Geschäftsführung befürchtet also, dass der Bewerber nur so lange im Betrieb bleibt, bis er wieder etwas „Besseres“ gefunden hat.

Punkt 3: Ein weiterer Aspekt ist die gefürchtete Unterforderung. Ist der Angestellte nicht entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt, wird angenommen, dass er sich schnell langweilt und so unmotiviert an den Job herangeht.

Punkt 4: Angst vor Überheblichkeit. Lässt der Arbeitnehmer seine Kollegen spüren, dass er eigentlich einen besseren Job verdient hätte, leidet das Betriebsklima.

Wie Sie Ihre Bewerbung positiv beeinflussen können

Wie bei jeder anderen Stellensuche auch, ist die Bewerbung das A und O. Wer sich aber für einen Posten bewirbt, der eigentlich unter seinem „Level“ liegt, muss besonders penibel vorgehen. Das gilt sowohl für die schriftliche Bewerbung als auch für das Vorstellungsgespräch.

Schuster bleib bei deinen Leisten

Das alte Sprichwort drückt genau das aus, was Sie auch bei der Jobsuche beherzigen sollten. Bewerben Sie sich nur für Branchen, in denen Sie jahrelang tätig waren. Je niedriger ihr Berufsziel wird, desto unglaubwürdiger machen Sie sich beim zukünftigen Chef. Beispiel: Kein Personalchef wird Ihnen abnehmen, dass Sie plötzlich an der Supermarktkasse sitzen wollen, obwohl Sie vorher selbst einen Markt geleitet haben.

Argumentieren Sie positiv

Es ist also wichtig, dass man Ihnen den Wechsel in eine niedrigere Position abnimmt. Nur wer dies glaubhaft machen kann, hat Chancen auf den Job. Oft ist es so, dass die jahrelange Verantwortung und das Arbeitspensum seine Spuren hinterlassen haben. Viele wollen mit zunehmendem Alter kürzertreten. Ist das auch bei Ihnen so, dann sagen Sie es klipp und klar, ohne dabei aber den Eindruck zu vermitteln, Sie wären kraftlos. Mit dieser Einstellung kann ein Vorgesetzter umgehen.

Interesse zeigen – alte Muster ablegen

Kommt es zum Vorstellungsgespräch, ist Ihr Auftreten von enormer Bedeutung (hier Checkliste downloaden). Im Vordergrund steht ganz klar der neue Job. Schwärmereien über frühere Positionen haben da nichts zu suchen. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass der Personalchef Zweifel hegt, dass Sie ernsthaft an diesem Job Interesse haben. Bekunden Sie überzeugend, wie sehr Sie an der neuen Aufgabe interessiert sind, ohne dabei auf den nächsten Karrieresprung zu spekulieren.

Umdenken: Teamplayer gesucht

Wer einmal in einer gehobenen Position gearbeitet hat, dem fällt es schwer, sich in einem Team einzuordnen. Genau so wird Ihr neuer Chef denken. Sie müssen ihn also vom Gegenteil überzeugen. Betonen Sie, dass Sie froh sind, nicht mehr nur allein Entscheidungen treffen zu müssen, sich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen freuen.

Bewerbung und Lebenslauf – Ihre berufliche Visitenkarte

Bevor Sie die oben genannten Tipps bei einem Vorstellungsgespräch umsetzen können, müssen Sie erst einmal eingeladen werden. Um das zu erreichen, heißt es, mit der Bewerbungsmappe zu überzeugen. Gerade in der Zeit, in der man sich ausschließlich online bewirbt, ist ein maßgeschneidertes Anschreiben unerlässlich.

Ganz wichtig – Ein personalisiertes Anschreiben

Zwar ist es eher unwahrscheinlich, dass Firmen, bei denen Sie sich bewerben, Kontakt zueinander haben, dennoch sollten Sie kein einheitliches Bewerbungsanschreiben verfassen. Vermeiden Sie Standardvorlagen, in denen lediglich Anschrift und Anrede ausgetauscht werden, das macht immer einen schlechten Eindruck. Bekunden Sie Interesse am Unternehmen (vorherige Recherche) und vor allem an der ausgeschriebenen Stelle. Im Falle einer Überqualifizierung ist es wichtig, dass Sie den neuen Berufswunsch begründen.

Lebenslauf passend zur Stellenausschreibung

Ebenso wie das Bewerbungsschreiben muss auch der Lebenslauf für jede Firma überarbeitet werden. Lückenlos sollte er natürlich bleiben, manchmal ist es aber besser, eine abgespeckte Version zu verfassen. Kleinere Firmen sind nicht scharf darauf, jemanden einzustellen, der zuvor in gehobener Position eines namhaft bekannten Unternehmens gearbeitet hat.

Digitale Netzwerkprofile – Ihre Onlinevisitenkarte

Ein aussagekräftiges Profil auf Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn ist heute fast schon ein Muss. Es dient nicht nur als digitale Erweiterung ihres Lebenslaufes, sondern bietet gleichzeitig die Möglichkeit sich mit Branchenkollegen und potenziellen Arbeitgebern auszutauschen. Damit erhöhen Sie Ihre Sichtbarkeit auf dem Arbeitsmarkt immens.

Über Ringo Dühmke 631 Artikel
Gründer von Arbeitstipps.de und einigen anderen Websites. Gelernter Kaufmann mit großer Leidenschaft für (das Schreiben über) Unternehmen und Unternehmer aller Art, für Onlinemarketing, Digitalisierung und Automatisierung.

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