Was verdient man in Deutschland wirklich und warum unterscheiden sich die Gehälter einzelner Berufe so extrem? Hier ein paar Zahlen und Fakten im Überblick.

Geld ist nach wie vor das Tabuthema Nummer 1 am Arbeitsplatz. Dabei entscheidet kaum ein Faktor so stark über unsere Lebensqualität wie das monatliche Einkommen. Dieser Beitrag liefert einen datenbasierten Überblick über die Gehaltslandschaft in Deutschland und erklärt, warum manche Berufe fünfstellige Monatsgehälter ermöglichen, während andere trotz harter Arbeit kaum über den Mindestlohn hinauskommen.
Inhalte
- 1 Das Durchschnittsgehalt in Deutschland: Einordnung der Zahlen
- 2 Die 10 bestbezahlten Berufe in Deutschland
- 3 Die 10 niedrigst bezahlten Berufe in Deutschland
- 4 Gehaltstreiber: Die Mechanismen hinter den Zahlen
- 5 Warum verdienen manche Berufe so viel mehr?
- 6 Fazit: Was bedeuten diese Zahlen für Sie?
- 7 Quellen und Methodik
Das Durchschnittsgehalt in Deutschland: Einordnung der Zahlen
Das Bruttomediangehalt in Deutschland liegt aktuell bei 53.900 Euro jährlich. Der Median ist dabei aussagekräftiger als das Durchschnittsgehalt von 59.100 Euro, weil er durch Ausreißer nach oben nicht verzerrt wird. Nur etwa ein Drittel aller Beschäftigten verdient überhaupt mehr als diesen Durchschnittswert.
Zum Vergleich:
Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro brutto pro Stunde. Bei einer 40-Stunden-Woche ergibt das ein Jahresbrutto von rund 28.900 Euro und somit etwa die Hälfte des Mediangehalts.
💡 Mein Tipp:
Wenn Sie wissen möchten, was von einem Jahresgehalt von 53.900 Euro oder einem Monatslohn von 4.500 Euro tatsächlich auf dem Konto landet, nutzen Sie am besten einen Brutto-Netto-Rechner. Ein solches Tool berücksichtigt Steuerklasse, Sozialabgaben und regionale Unterschiede und zeigt, wie stark sich das Netto vom statistischen Durchschnitt unterscheiden kann.
Die 10 bestbezahlten Berufe in Deutschland
Die Spitzenverdiener finden sich in Bereichen mit hohen Qualifikationsanforderungen, knappem Fachkräfteangebot und großer Verantwortung. Die folgenden Gehaltsdaten basieren auf dem kununu Gehaltscheck 2025 mit über 830.000 ausgewerteten Gehaltsangaben:
| Rang | Beruf | Jahresgehalt (brutto) |
|---|---|---|
| 1 | Pilot/Pilotin | 89.000 € |
| 2 | Arzt/Ärztin (Oberarzt) | 87.100 € |
| 3 | Software-Architekt/in | 84.700 € |
| 4 | Professor/in | 82.300 € |
| 5 | Unternehmensjurist/in | 81.800 € |
| 6 | Fluglotse/Fluglotsin | 71.250 € |
| 7 | Portfoliomanager/in | 75.000 € |
| 8 | IT-Direktor/in | 72.500 € |
| 9 | Ingenieur/in (Automotive) | 70.000 € |
| 10 | Steuerberater/in | 68.000 € |
Die 10 niedrigst bezahlten Berufe in Deutschland
Am unteren Ende der Gehaltsskala finden sich überwiegend Dienstleistungsberufe mit niedrigen Einstiegshürden, hohem Wettbewerbsdruck und geringer Tarifbindung:
| Rang | Beruf | Jahresgehalt (brutto) |
|---|---|---|
| 1 | Friseur/in | 25.300 € |
| 2 | Lieferant/in | 25.300 € |
| 3 | Raumpflege-Fachkraft | 25.400 € |
| 4 | Call-Center-Agent | 25.700 € |
| 5 | Küchenhilfe | 25.900 € |
| 6 | Florist/in | 26.000 € |
| 7 | Kellner/in (Servicekraft) | 26.500 € |
| 8 | Bäckereifachverkäufer/in | 26.500 € |
| 9 | Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r | 27.000 € |
| 10 | Hotelfachkraft | 36.750 € |
Gehaltstreiber: Die Mechanismen hinter den Zahlen

Die Unterschiede zwischen den bestbezahlten und den niedrigst bezahlten Berufen lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Vielmehr wirken mehrere Einflussfaktoren zusammen, die das individuelle Gehalt nach oben oder unten verschieben.
➜ Branche als primärer Gehaltshebel
Die Branchenzugehörigkeit wirkt wie ein Multiplikator auf das Grundgehalt. Im Bankwesen liegt das Mediangehalt bei 70.250 Euro, in der Gastronomie dagegen bei nur 45.500 Euro. Das ist ein Unterschied von fast 25.000 Euro bei vergleichbarer Arbeitszeit. Branchen mit hoher Wertschöpfung, starker Kapitalintensität und reguliertem Marktzugang können höhere Gehälter finanzieren und bieten daher systematisch bessere Verdienstmöglichkeiten.
➜ Qualifikation und Bildungsabschluss
Der Bildungsabschluss zählt zu den stärksten Gehaltstreibern. Akademiker erreichen ein Mediangehalt von 60.500 Euro, Beschäftigte ohne Abschluss liegen bei 43.100 Euro. Die Differenz von über 17.000 Euro erklärt sich durch den Zugang zu komplexeren Tätigkeiten mit höherer Wertschöpfung. Besonders ausgeprägt ist der Effekt in der Logistikbranche, wo ein Studium einen Gehaltssprung von mehr als 19.000 Euro ermöglicht. In handwerklichen Berufen hingegen macht ein Hochschulabschluss nur etwa 3.750 Euro Unterschied.
➜ Unternehmensgröße
Die Firmengröße beeinflusst das Gehalt erheblich: Mitarbeitende in Kleinunternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten verdienen im Median 48.800 Euro, während in Großunternehmen mit über 5.000 Mitarbeitenden 63.000 Euro gezahlt werden. Kleine Unternehmen zahlen für dieselbe Position mitunter bis zu 20 Prozent weniger als Konzerne. Große Unternehmen verfügen über mehr Kapital, professionellere HR-Strukturen und sind häufiger tarifgebunden.
➜ Region und Standort
Hamburg führt das Ranking der Bundesländer mit einem Mediangehalt von 60.000 Euro an, gefolgt von Baden-Württemberg (58.500 Euro) und Hessen (58.250 Euro). Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 47.750 Euro. Das Ost-West-Gefälle beträgt auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung noch etwa 13 Prozent. Innerhalb von Bundesländern zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede: Im Handwerk verdienen Beschäftigte in Hamburg durchschnittlich 3.121 Euro monatlich, in Thüringen nur 2.196 Euro.
| Region | Mediangehalt |
|---|---|
| Hamburg | 60.000 € |
| Baden-Württemberg | 58.500 € |
| Hessen | 58.250 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 47.750 € |
➜ Tarifbindung und Entgeltgruppen
Tarifverträge wie der TVöD strukturieren Gehälter systematisch in Entgeltgruppen (nach Qualifikation und Tätigkeit) und Erfahrungsstufen. Die Entgelttabellen umfassen 15 Gruppen und 6 Stufen. Der aktuelle Tarifabschluss 2025 bringt Erhöhungen von 3,0 Prozent ab April 2025 (mindestens jedoch 110 Euro) und weitere 2,8 Prozent ab Mai 2026. Beschäftigte in tarifgebundenen Unternehmen profitieren von transparenten Gehaltsstrukturen und regelmäßigen Anpassungen.
➜ Berufserfahrung
Mit wachsender Erfahrung steigt das Gehalt, allerdings nicht linear. Berufseinsteiger mit weniger als drei Jahren Erfahrung verdienen im Handwerk durchschnittlich 35.200 Euro jährlich. Die größten Gehaltssprünge erfolgen in den ersten zehn Berufsjahren, danach flacht die Kurve ab. Personalverantwortung beschleunigt den Gehaltszuwachs: Führungskräfte erreichen ein Mediangehalt von 62.000 Euro gegenüber 51.300 Euro bei Beschäftigten ohne Leitungsfunktion.
➜ Schichtarbeit und Zuschläge
Nachtarbeit wird mit gesetzlich vorgeschriebenen Zuschlägen von 25 bis 40 Prozent auf den Bruttostundenlohn vergütet. Für die Arbeitszeit zwischen 20 und 6 Uhr sind Zuschläge bis 25 Prozent steuerfrei, zwischen 0 und 4 Uhr sogar bis 40 Prozent. Im öffentlichen Dienst wurden die Zulagen für Schichtarbeit zum Juli 2025 von 40 auf 100 Euro und für Wechselschichtarbeit von 105 auf 200 Euro erhöht.
| Zuschlag | Höhe des Zuschlags |
|---|---|
| Nachtarbeit | 25 bis 40 % |
| Arbeitszeit zwischen 20 und 6 Uhr | bis 25 % |
| Arbeitszeit zwischen 0 und 4 Uhr | bis 40 % |
➜ Variable Vergütung: Bonus und Provision
Variable Gehaltsanteile zwischen 5 und 20 Prozent sind üblich und steigen mit der Karrierestufe. Bei Berufseinsteigern macht der Bonus selten mehr als ein Zehntel des Jahreseinkommens aus. Im außertariflichen Bereich verschiebt sich das Verhältnis oft auf 80 zu 20, auf Ebenen knapp unter dem Vorstand kann der Fixanteil sogar auf 60 bis 65 Prozent sinken. Im Vertrieb sind Provisionsmodelle verbreitet, bei denen ein erheblicher Teil des Einkommens vom persönlichen Verkaufserfolg abhängt.
Warum verdienen manche Berufe so viel mehr?

Die Gehaltstabellen werden durch das Zusammenspiel der beschriebenen Faktoren erklärbar:
⬆️ Ärzte verdienen viel, weil sie einen langen Qualifikationsweg absolvieren (Studium plus Facharztausbildung), in einer kapitalstarken Branche arbeiten, hohe Verantwortung tragen und oft in großen Einrichtungen mit Tarifbindung beschäftigt sind. Alle Gehaltstreiber wirken in dieselbe Richtung.
⬇️ Friseure verdienen wenig, weil die Branche kleinteilig strukturiert ist (viele Kleinbetriebe ohne Tarifbindung), die Ausbildung kürzer dauert, die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde gering ist und regionale Unterschiede das Niveau zusätzlich drücken. Hier wirken nahezu alle Faktoren nach unten.
Fazit: Was bedeuten diese Zahlen für Sie?
Gehaltstabellen bieten Orientierung, aber kein vollständiges Bild. Das individuelle Gehalt hängt von einem komplexen Zusammenspiel aus Branche, Qualifikation, Standort, Unternehmensgröße und Verhandlungsgeschick ab. Die wichtigsten Stellschrauben für das eigene Einkommen sind die Wahl der Branche, gezielte Weiterbildung und bei einem Jobwechsel der Schritt zu einem größeren Arbeitgeber.
Die aktuellen Daten zeigen zudem: Transparenz bei Gehältern nimmt zu. Mit der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz müssen Unternehmen ab Juni 2026 in Stellenanzeigen ein Durchschnittsgehalt nennen. Das verändert die Verhandlungsposition von Beschäftigten und dürfte mittelfristig zu einer weiteren Angleichung der Gehälter beitragen.
Quellen und Methodik
Die Gehaltsdaten in diesem Artikel basieren auf dem Stepstone Gehaltsreport 2026 (über 1,3 Millionen Datensätze), dem kununu Gehaltscheck 2025 (über 830.000 Gehaltsangaben) sowie dem Statistischen Bundesamt. Alle Angaben beziehen sich auf Bruttojahresgehälter bei standardisierter 40-Stunden-Woche inklusive Boni und Provisionen. Sofern nicht anders angegeben, werden Mediangehälter ausgewiesen.
