Rollstuhlgerechter Job – So muss ein barrierefreier Arbeitsplatz aussehen

Ein rollstuhlgerechter Job setzt einen barrierefreien Arbeitsplatz voraus. Wie dieser aussehen muss, erfahren Sie hier.

Barrierefreier Arbeitsplatz
Barrierefreier Arbeitsplatz

Wer sein Leben vom Rollstuhl aus meistern muss und dies auch erfolgreich gestalten will, benötigt dafür viel Kraft, Disziplin, Engagement und nur allzu oft die pragmatische Fähigkeit, mit enormer Kreativität und großem Mut andere und neue Lösungswege für die unterschiedlichsten Aufgaben des Alltags zu finden. Das alles sind auch in der Berufswelt gefragte Eigenschaften, die sich jeder Arbeitergeber von seinen Angestellten erhofft. Daher ist es nicht allein sozial wünschenswert, einen barrierefreien Arbeitsplatz für solch wertvolle Mitarbeiter zu schaffen, sondern ebenfalls in wirtschaftlicher Hinsicht äußerst lohnend. Bei der Einrichtung eines – vor allem rollstuhlgerechten – barrierefreien Arbeitsplatzes ist allerdings einiges zu beachten:

Barrierefrei ins Büro

In Deutschland arbeiten mehr als 50 Prozent aller Beschäftigten im Büro. Bei körperlich beeinträchtigten Arbeitnehmern geht dieser Prozentsatz gegen 100. Deshalb verwundert es kaum, dass deutsches Baurecht explizit verlangt, neu zu bauende Arbeitsstätten, insbesondere Bürogebäude, grundsätzlich barrierefrei zu gestalten. Ein selbstverständlicher Mehraufwand, der nachträgliche bauliche Anpassungen in der Regel unnötig macht und so die damit einhergehenden mitunter erheblichen Kosten einspart. An den grundlegenden Vorschriften, die es schon bei der Planung eines solchen Neubaus zu beachten gilt, kann sich auch jeder gut orientieren, der ein bereits bestehendes Objekt rollstuhl- und behindertengerecht nachrüsten möchte.

Barrierefreies Gebäude

» Rampen

Mit einem Rollstuhl kann schon ein kleiner Absatz von drei Zentimetern Höhe zum unüberwindbaren Hindernis werden. Ein ideales barrierefreies Gebäude ist natürlich frei von Unwegbarkeiten dieser Art. Wo Stufen aber vorhanden sind, müssen Rampen ohne Quergefälle und einer maximalen Steigung von sechs Prozent her. Breit genug zum Rangieren müssen sie sein und zur Sicherheit mit beidseitigen Radabweisern und Handläufen versehen.

Barrierefreiheit durch Rampen
Barrierefreiheit durch Rampen

» Aufzüge

Wo Rampen aufgrund ihrer üppigen Raumforderung keine sinnvolle Alternative darstellen, sorgen Treppenlifte, Hebeplattformen oder Aufzüge für die Überwindung von Höhenunterschieden. Aufzüge müssen mindestens 1,10 Meter breit und 1,40 Meter tief sein, und was für die Aufzugstür notwendig ist, gilt definitiv für alle Türen im Gebäude: eine lichte Breite von 90 Zentimetern.

Rollstuhlgerecht - Mit dem Aufzug ins Büro
Rollstuhlgerecht - Mit dem Aufzug ins Büro

» Bodenbelag

Bodenbeläge werden fest verlegt und sind sowohl rutschhemmend als auch antistatisch. In allen Räumen – im Besonderen hinter Sitzarbeitsplätzen – müssen unverstellte Flächen vorhanden sein, die dem Wenderadius eines Rollstuhls entsprechen, jeweils wenigstens 1,50 mal 1,50 Meter.

Selbstverständlich für einen rollstuhlgerechten Arbeitsplatz - Rutschhemmender Fußbodenbelag
Selbstverständlich für einen rollstuhlgerechten Arbeitsplatz - Rutschhemmender Fußbodenbelag

» Flurbreite

Sind Wege oder Flure länger als 15 Meter, ist dafür eine Minimalbreite von 1,80 Meter vorzusehen, damit Rollstuhlfahrer aneinander vorbeikommen.

Eine ausreichende Flurbreite muss gewährleistet sein
Eine ausreichende Flurbreite muss gewährleistet sein

» Sanitäreinrichtung

Selbstredend müssen in ausreichender Menge rollstuhlgeeignete Sanitäreinrichtungen und Sozialräume vorhanden sein.

Selbstverständlich - Ein rollstuhlgerechter Sanitärbereich
Selbstverständlich - Ein rollstuhlgerechter Sanitärbereich

» PKW Stellplatz

Geeignete PKW-Stellplätze liegen so nah als möglich am Gebäudeeingang, sind leicht zugänglich und bieten genug Platz, um einen Rollstuhl ein- bzw. ausladen zu können.

Barrierefreiheit im Außenbereich
Barrierefreiheit im Außenbereich

Barrierefreier Arbeitsplatz

Der eigentliche barrierefreie Arbeitsplatz bietet genügend Raum für Wendemanöver und Bewegungsfreiheit für Rollstuhlfahrer.

  • Ein Schreibtisch soll in ausreichender Breite unterfahrbar und nicht zu tief sein.
  • Bei Schränken und anderen Staumöglichkeiten muss der verminderte Greifbereich unbedingt Beachtung finden, der etwa in einer Höhe zwischen 0,40 und 1,40 Meter liegt.
  • Geräte und Schalter müssen ebenso aus sitzender Position zu erreichen sein.

Die selben Bedingungen, die den eigentlichen Arbeitsplatz barrierefrei halten, sind natürlich auch für Besprechungs-, Sozial- und die rollstuhlgerechten Sanitärräume gültig.

Barrierefreies Miteinander

Viele Baumaßnahmen und Sozialausrüstungen kommen aus ergonomischer Sicht auch Mitarbeitern zugute, die nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Wenn sich alle Kollegen wohlfühlen, ungehindert und gut arbeiten können, steht einem barrierefreien Miteinander wahrlich nichts mehr im Weg.


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