Quereinsteiger: Chancen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Immer öfter liest man in Stellenausschreibungen, dass Quereinsteiger willkommen sind. Hierbei können sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren.

Quereinsteiger
Quereinsteiger wechseln aus unterschiedlichen Motivationen die Branche – © Pixel-Shot / stock.adobe.com

Fühlen Sie sich in Ihrem Beruf wohl? Können Sie sich auch vorstellen, diesen für den Rest ihres beruflichen Lebens auszuüben? Dann können Sie sich wirklich glücklich schätzen. Denn vielen anderen ergeht es nicht so. Für sie fällt es zunehmend schwerer, sich morgens aus dem Bett zu rappeln und den einst so geliebten Job anzutreten. Darunter leidet nicht nur die Arbeit, sondern auch die Psyche des Mitarbeiters.

Für viele Arbeitnehmer ist es zu spät, eine neue Ausbildung zu beginnen. Aber das bedeutet nicht, dass sie Ihr Dasein für den Rest ihres Arbeitslebens in ihren Beruf fristen müssen. Als sogenannte Quereinsteiger können sie auch Fuß in vielen anderen Berufen fassen.

Was ist überhaupt ein Quereinsteiger?

Als Quereinsteiger bezeichnet man Arbeitnehmer, die in einem völlig neuen Bereich beschäftigt sind, ohne über eine entsprechende Berufsausbildung zu verfügen. Sie sind also fachfremd, zeichnen sich aber in der Regel durch die nötigen Soft Skills aus, die für die Stelle von Bedeutung sind.

Ist ein Quereinstieg in jeden Beruf möglich?

Quereinsteigern stehen viele neue Berufe offen. Immer wieder hört oder liest man, dass an Schulen Quereinsteiger beschäftigt sind. Und auch in vielen Produktionsbetrieben ist eine passende Ausbildung nicht immer notwendig. So konnte mein Mann beispielsweise seine Ausbildung zum Koch aus gesundheitlichen Gründen nicht abschließen. Stattdessen fasste er Fuß in einem großen holzverarbeitenden Unternehmen.

Unbegrenzt sind die Möglichkeiten als Quereinsteiger jedoch nicht. Denn in einigen Berufsgruppen sind formale Qualifikationen gesetzlich vorgeschrieben:

  • Arzt
  • Zahnarzt
  • Psychologischer Psychotherapeut
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut
  • Psychotherapeut
  • Tierarzt
  • Apotheker
  • Rechtsanwalt
  • Patentanwalt
  • Wirtschaftsprüfer
  • vereidigter Buchprüfer
  • Steuerberater
  • Steuerbevollmächtigter

Übrigens: Wer ohne die erforderliche Qualifikation in diesen Bereichen tätig ist, muss gemäß § 132a Strafgesetzbuch (StGB) mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe rechnen.

Warum sollten Unternehmen Quereinsteiger einstellen?

Quereinsteiger: Mehrwert für Unternehmen
Branchenfremde Mitarbeiter können frischen Wind in die Arbeit bringen – © REDPIXEL / stock.adobe.com

Auf den ersten Blick erscheinen Quereinsteiger als nicht besonders lukrativ für das Unternehmen. Schließlich verfügen sie über keinerlei branchenspezifische Kenntnisse und benötigen eine intensivere Einarbeitung als bereits ausgebildete Fachkräfte. Aber gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es enorm schwer, eben diese zu finden. Zudem können Arbeitgeber seit neuestem eine Förderung für die Qualifizierung neuer Mitarbeiter beantragen. Denn seit Anfang 2019 ermöglicht das Qualifizierungschancengesetz berufliche Weiterbildungen für Beschäftigte. Im Zuge dessen fördert die Bundesagentur für Arbeit unter anderem Weiterbildungsmaßnahmen für gering qualifizierte Arbeitnehmer in Berufen mit Fachkräftemangel und gewährt in dieser Zeit einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt.


Zu den Fördermöglichkeiten äußert sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales folgendermaßen: „Die Übernahme von Weiterbildungskosten für die Beschäftigten und die Zahlung von Zuschüssen zum Arbeitsentgelt für weiterbildungsbedingte Ausfallzeiten an den Arbeitgeber setzen grundsätzlich eine Kofinanzierung durch die/den Arbeitgeberin voraus. Die Zuschusshöhe ist dabei in der Regel von der Betriebsgröße abhängig. Für bestimmte Personengruppen (ältere Beschäftigte ab dem 45. Lebensjahr oder schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oder solche in Kleinstbetrieben) sind Ausnahmen möglich.“

Quereinsteiger bringen Vorteile fürs Unternehmen

Quereinsteiger, die aus freien Stücken einen neuen Weg einschlagen, sind in der Regel hoch motiviert und sind dadurch mit vollem Arbeitseifer bei der Sache. Dabei bieten sie dem Unternehmen einen echten Mehrwert. Denn sie bringen zudem branchenfremdes Know-How mit und sehen die Dinge oftmals aus einem komplett anderen Blickwinkel. So können sie frischen Wind ins Unternehmen bringen und Verbesserungen (beispielsweise von Arbeitsabläufen) anregen. Zudem weckt das in den Quereinsteiger gesetzte Vertrauen einen hohen Grad an Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber.

Quereinsteiger für das Unternehmen gewinnen

Viele Unternehmen haben Quereinsteiger bereits als Chance erkannt. Jedoch scheitert die Einstellung oft daran, dass sie in der Personalwirtschaft durchs Raster fallen. Daher ist es erforderlich, die Anforderungen an die Bewerber zu überdenken. Einschlägige Erfahrung ist eben nicht immer alles. Unternehmen müssen ihren Horizont öffnen und von den üblichen Strukturen abweichen. Zudem ist es erforderlich, dass nicht nur die Führungsebene erkennt, welche Chance Quereinsteiger bieten. Auch die Belegschaft muss davon überzeugt sein, damit später ein gleichgestelltes Arbeiten möglich ist, in dem nicht auf den Quereinsteiger herab geblickt wird.

Quereinsteiger zur Bewerbung ermutigen

Damit sich auch Personen ohne passende Ausbildung bewerben, die dennoch einen Mehrwert fürs Unternehmen bieten können, muss die Stellenausschreibung ansprechend gestaltet sein. Werden bestimmte Berufserfahrungen oder Ausbildungen verlangt, bewerben sich in der Regel keine Quereinsteiger. Besser ist es, diese formalen Qualifikationen in den Hintergrund zustellen und stattdessen auch branchenfremde Bewerber zu ermutigen, sich zu bewerben.

Sollen sich Quereinsteiger auf eine Stelle bewerben, müssen auch eventuelle Online-Formulare für Bewerber angepasst werden. Hier wird meist nach Ausbildungen und Abschlüssen gefragt. Dies kann Quereinsteiger abschrecken. Statt der beruflichen Qualifikationen sollten die persönlichen Kompetenzen und Stärken im Vordergrund stehen, die für die zu besetzende Stelle von Bedeutung sind.

Über Ringo Dühmke 631 Artikel
Gründer von Arbeitstipps.de und einigen anderen Websites. Gelernter Kaufmann mit großer Leidenschaft für (das Schreiben über) Unternehmen und Unternehmer aller Art, für Onlinemarketing, Digitalisierung und Automatisierung.