Stellenanzeigen richtig lesen und verstehen – Das steckt hinter dem Personalerdeutsch

Stellenanzeigen sind die erste Hürde auf dem Weg zum Traumjob. Sie zu verstehen, ist oftmals jedoch eine wahre Kunst. Da hilft es, das typische Personalerdeutsch verstehen zu können.
Stellenanzeigen richtig zu verstehen ist gar nicht so leicht

Ob Sie nun die Tageszeitung durchstöbern oder diverse Online-Stellenbörsen durchsuchen – stoßen Sie auf eine passende Stellenanzeige, werden Sie schnell merken, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, diese zu verstehen. Da heißt es beispielsweise „Wir bieten ein dynamisches Umfeld…“ oder „Gesucht wird ein Key Account Manager…“. Gerade Berufsanfänger wissen oft gar nicht, was sich hinter diesen Begriffen und Bezeichnungen verbirgt. Dies zu verstehen, sowie die Firmenpräsentation und die Anforderungen an den Bewerber richtig zu deuten, sind jedoch das Wichtigste bei der Stellensuche. Nur wenn Sie das alles richtig verstehen, wissen Sie auch, ob die ausgeschriebene Stelle zu Ihnen passt.

Wer sich hier nicht ein wenig schlau macht und zwischen den Zeilen liest, bekommt vielleicht nicht einmal eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Was nützt es schließlich, wenn Sie die Anzeige lesen, diese aber gar nicht verstehen und so das Anschreiben völlig falsch formulieren? Nehmen Sie sich bei jeder Stellenanzeige also etwas mehr Zeit, um diese richtig zu deuten. Das typische Personalerdeutsch zu verstehen, ist auch gar nicht mal so schwer.

Grundgerüst einer Stellenanzeige

Die klassische Stellenanzeige setzt sich immer aus fünf Blöcken zusammen:

1. Firmendarstellung
2. Stellenangebot
3. Anforderungen und Qualifikationen
4. Hinweise zu Vergütungen, Arbeitszeiten, usw.
5. Kontaktdaten und gewünschte Bewerbungsformen

Wichtig ist, dass Sie jeden dieser einzelnen Blöcke genau unter die Lupe nehmen und analysieren. Ab und an müssen Sie auch mal zwischen den Zeilen lesen. Nur, wenn Sie wirklich verstehen, was in der Stellenanzeige steht und was von den Bewerbern erwartet wird, haben Sie eine Chance auf den Job.

1. Firmendarstellung

Im ersten Absatz einer Stellenanzeige stellt sich das Unternehmen in der Regel selbst vor. Das ist also quasi die Visitenkarte des Unternehmens. Hier erfahren Sie meist, wo das Unternehmen sitzt, wie groß es ist und in welcher Branche es arbeitet. Stehen in diesem Anschnitt Sätze wie „Wir sind führend…“ oder Ähnliches, dann will das Unternehmen eigentlich nur etwas Werbung für sich machen. Stehen dort hingegen schon Sätze wie „Wir sind europaweit vertreten…“, dann können Sie in der Regel schon davon ausgehen, dass Englisch-Kenntnisse von Vorteil sind.

➜ Wichtig für Sie:

Lassen Sie den Text auf sich wirken, nachdem Sie ihn gelesen haben. Fühlen Sie sich beim Lesen gut oder haben Sie eher ein ungutes Gefühl? Dann hören Sie ruhig auf Ihr Bauchgefühl und gehen Sie zur nächsten Stellenanzeige über. Ist das Gefühl hingegen gut, dann nutzen Sie die Informationen über das Unternehmen später unbedingt im Vorstellungsgespräch.

2. Stellenangebot

In diesem Abschnitt steht die Bezeichnung der ausgeschriebenen Stelle. Wichtig hierbei: lassen Sie sich auf keinen Fall von schwer verständlichen oder englischen Stellenbezeichnungen verunsichern. Es ist in den letzten Jahren einfach Trend geworden, Stellen auf englisch auszuschreiben. Wahrscheinlich, weil es sich einfach viel besser und meist auch gehobener anhört. „Facility Manager“ klingt eben auch besser wie „Hausmeister“. Dennoch bleibt der Beruf der gleiche.

➜ Wichtig für Sie:

Sollte in diesem Abschnitt eine englische Berufsbezeichnung stehen, dann lassen Sie sich auf keinen Fall abschrecken und schauen Sie einfach schnell im Internet nach, worum es sich bei der ausgeschriebenen Stelle genau handelt. Eine gute Übersicht darüber hat z.B. die IHK zusammengestellt.

3. Anforderungen und Qualifikationen

Nun kommen wir zu dem wichtigsten Bereich, denn in diesem Abschnitt werden die geforderten Qualifikationen und Anforderungen genauestens beschrieben. Hier müssen Sie auf jeden Fall zweimal drüber lesen, denn in dem Text steht nicht nur, welche Aufgaben Sie zu bewältigen haben, sondern auch, was von Ihnen als Bewerber alles erwartet und verlangt wird. Man spricht hierbei von den so genannten Hard und Soft Skills.

Hard Skills beschreiben, wie der Name es schon vermuten lässt, harte Fakten wie berufstypische Qualifikationen bzw. Fachkompetenzen. Gemeint sind damit z.B. Abschlüsse, Sprachen, IT-Kenntnisse, usw. Soft Skills sind hingegen die weichen Fakten, die die soziale Kompetenz beschreiben. Hierzu zählt z.B. Teamfähigkeit, Organisationsgeschick und Kommunikationsfähigkeit. Nähere Informationen darüber finden Sie auf www.berufsstrategie.de.

➜ Wichtig für Sie:

Wenn Sie sich die Anforderungen und Qualifikationen durchgelesen haben, dann müssen Sie herausfiltern, was die wichtigsten Anforderungen an den Job sind. In der Regel werden diese immer als erstes genannt. Dazu zählen Ausbildung und Berufserfahrung. Danach folgen die fachlichen Kenntnisse und die Soft Skills. Wenn hier Formulierungen stehen wie „Voraussetzung ist…“ oder „Wir erwarten…“, dann sind das alles Muss-Anforderungen. Fähigkeiten, die mit „…wären von Vorteil.“ oder so ähnlich beschrieben werden, sind hingegen nicht zwingend erforderlich. Erfüllen Sie all die geforderten Anforderungen? Dann können Sie weiter lesen.

4. Hinweise auf Vergütungen, Eintrittstermin, Arbeitszeiten, usw.

Dieser Abschnitt ist meist recht kurz gehalten. Dennoch enthält er in der Regel viele und vor allem auch Informationen darüber, was Ihnen das Unternehmen bei einer Einstellung bietet. Gemeint sind z.B. der Arbeitsbeginn, die Arbeitszeiten und die Aufstiegschancen.

Wenn Sie Glück haben, steht in diesem Abschnitt auch, wie viel Sie zu Beginn verdienen. Das hat den Vorteil, dass Sie gleich in einem Brutto-Netto-Rechner (Gehaltsrechner) nachschauen können, wie viel Ihnen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben noch übrig bleibt. Mit dem Brutto-Netto-Rechner von TARIFCHECK24 können Sie z.B. auch gleich herausfinden, welche Steuerklassen für Sie und Ihre/n Partner/in optimal sind.

➜ Wichtig für Sie:

Prüfen Sie, ob die Gehaltsangaben realistisch sind und schauen Sie, ob Sie mit den Arbeitszeiten und dem Arbeitsbeginn klar kommen würden.

5. Kontaktdaten/gewünschte Bewerbungsformen

Im letzten Abschnitt finden Sie in der Regel die Kontaktdaten und den Ansprechpartner. Hier finden Sie auch immer Informationen darüber, wie Sie Ihre Bewerbung übermitteln sollen (per Post, E-Mail, Bewerbungsformular) und was sie alles enthalten muss (z.B. Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse).

➜ Wichtig für Sie:

Wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur Bewerbungen per E-Mail gewünscht sind, dann schicken Sie diese auch per E-Mail, denn Bewerbungen per Post werden meist ungeöffnet zurückgesendet.

Und noch etwas: Sicherlich ist es schwer eine Gehaltsvorstellung anzugeben, doch wenn Sie einen Gehaltswunsch nennen sollen, dann machen Sie das auch. Aber geben Sie bitte einen realistischen Betrag an. Hier müssen Sie einfach mal ein bisschen im Internet recherchieren. Hilfreiche Informationen dazu gibt z.B. der ABSOLVENTA-Karriereguide.

Fazit

Haben Sie die Stellenanzeige vollständig verstanden und erfüllen Sie die Muss-Anforderungen? Dann zögern Sie nicht und bewerben Sie sich. Sie müssen auch gar nicht mal unbedingt alle Anforderungen erfüllen. Merken Sie sich immer eines: Anzeigentexte beschreiben fast immer den Idealkandidaten. Die Anforderungen sind also meist unrealistisch hoch angesetzt. Wenn Sie diese zu ca. 70 Prozent erfüllen, dann trauen Sie sich also ruhig und schicken Sie Ihre Bewerbung ab.


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